Der Irish und die Jagd

 

Beobachtungen eines Jägers.

 

Um es vorweg zu nehmen. Es sind Super-Jagdhunde.

Anhänger anderer Hunderassen mögen mir den Enthusiasmus verzeihen. Für mich ist der Irish etwas besonderes geworden aber ich habe größtes Verständnis dafür, dass andere von Ihrer Rasse das Gleiche denken. Nach knapp 2 Jahren gehöre ich sicherlich nicht zu den Irish-Experten, nach 20 Jahren Hundehaltung glaube ich aber Potential erkennen zu können. Der Irish hat dies nun wahrlich und es wäre schade für ihn, neben seiner Rolle als Familien- und Ausstellungshund nicht auch seine jagdliche Veranlagung entfalten zu dürfen. Zudem möchte ich bemerken dass ich kein Züchter bin und evtl. aus Eigeninteresse meine Hündin hier darstelle. Ich möchte einfach nur meine Freude an dieser Rasse mit anderen Teilen und den Irish einmal aus jagdlicher Sicht zeigen. Meine Hündin hat hierbei nur stellvertretenden Charakter.

Als Jäger der sich seiner hohen Verantwortung durchaus bewusst ist , suchte ich eine passende Hunderasse welche jagdlich passioniert, aber trotzdem leichtführig und familien- bzw. kinderfreundlich ist. Sehr bald war klar, ein Irish-Terrier wird es werden. Nachdem ich von einem verantwortungsvollen Jäger und Züchter meine Shila im Alter von 12 Wochen ( Juni 2003) erhalten hatte war mir nach wenigen Monaten klar eine Rasse zu haben, welche alle Eigenschaften für die derzeitigen Jagdanforderungen bei uns im süddeutschen Raum in sich vereint. Die Kombination aus Willens- und Triebstärke gepaart mit der großen Liebe zu seinem Führer und der Familie ergibt einen wunderbaren Jagdhund. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich die Meinung der Irish wäre schwer erziehbar und stur bzw. rauflustig in keinster Weise teilen kann. Eine Zwang- und gewaltlose, aber sehr konsequente Erziehung ( ohne Ausnahmen !) macht diese Rasse aus meiner Sicht zu einem leichtführigen und extrem lernbegierigen Hund. So hat meine Hündin mit 16 Monaten die Begleithundprüfung so nebenbei mit Bravour abgelegt. Natürlich muss der Irish terriergerecht beschäftigt werden und seine Triebe, unter Kontrolle geführt, ausleben dürfen, bzw. diese für das Gehorsamstraining genutzt werden.. Mit noch so langen Spaziergängen oder gar endlosen Befehlsübungen auf dem Hundeplatz nach Schema F, lastet man diese Rasse nicht aus. Im Gegenteil, sie verweigern sich aber nicht aus Sturheit sondern der Langeweile wegen. Irish-Führer welche erlebt haben wie schnell der Hund wieder mitarbeitet sobald etwas Action und Tempo in die Ausbildung kommt, können dies sicherlich bestätigen. Zwang oder Unterdrückung würden sich auf die Lernbereitschaft katastrophal auswirken. Dies sollte jedoch nicht mit der absoluten Konsequenz verwechselt werden dass ein gegebenes Kommando ohne wenn und aber ausgeführt werden muss, notfalls muss auch mal ein scharfes Wort gesprochen werden. Ich habe den Eindruck der Irish will auf neckische Weise ca. 24 Stunden am Tag wissen wo seine Grenzen sind. Natürlich ist er viel zu intelligent sich offen zu verweigern. Nein, lieber wird das Balli auf halbem Wege fallen gelassen. Ein “Hier“ wird genau abgewogen ob es auch wirklich ganz so ernst gemeint ist ,oder ob man unterwegs vielleicht noch das eine oder andere beschnuppern kann. Am besten mal abwarten ob das liebe Herrchen nicht doch auch 2 x ruft. Hier kann ich nur sagen. Wehrtet den Anfängen. Aber mal ehrlich. Macht dies den Irish nicht zu dem was er eigentlich ist. Ein absolut leichtführiger Hund welcher sich jedoch niemals zwanghaft unterordnen wird, sondern aus eigener Bereitschaft heraus mitarbeitet. Diese müssen wir uns als Führer verdienen. Eine so intelligente Rasse wie der Irish muss mitdenken dürfen und braucht unbedingt Kopfarbeit welche all seine Sinne beansprucht. Ich möchte nun stellvertretend am Beispiel meiner Shila aufzeigen welches jagdliche Potenzial in dieser Rasse steckt. Nach Rücksprache mit anderen jagdlichen Irish-Führern denke ich das man den roten Faden durchaus auf die Rasse übertragen kann.

Nach ca. 12 Monaten war meine Shila in dem allgemeinen Grundgehorsam soweit stabil, dass es begann wirklich verlässlich zu werden und ich sie auch ohne Leine gut führen konnte. Besonderen Wert legte ich auf die freie Folge sowie das bedingungslose „ Hier“. Jagdlich zeigte sich durch verschiedene Spiele sehr schnell, dass sie gute Veranlagungen mit der Nasenarbeit und im Wasser hat, sowie das Stöbern mit tiefer Nase. Das sie als Terrier an keinem Fuchsbau oder Erdloch vorbei kommt bedarf sicherlich keiner Erklärung. Die Eindrucke möchte ich im einzelnen schildern.

 

Nasenarbeit:

Schon im Alter von 6 Monaten zeigte sie auf der Wildschleppe extremen Finderwillen und konnte sehr bald 500 Meterschleppen ohne Probleme finden.. Heute im Alter von 18 Monaten sind 24 Stundenfährten auf 1000 m in der Regel( Ausnahmen inbegriffen) kein Problem für sie, egal ob es sich um Reh- oder Schwarzwildschweiß handelt. Hier konnte ich eine interessante Beobachtung machen. Häufig sind temperamentvolle Hunde auf der Schweißspur zu unkonzentriert und verlieren durch Verleitung die Fährte. Beim Irish scheint sich das Temperament mit dem Finderwillen zu vereinigen. Eine Nachsuche mit meiner Hündin geht zwar alles andere als ruhig vor sich, aber der Hund findet immer wieder zur Fährte zurück. Sobald die Anforderung richtig verknüpft ist zeigt diese Rasse absoluten Arbeitseifer um zum Ziel zu kommen. So war auch die Prüfung der unangeleinten Führersuche auf 500 m im Wald nach ca. 30 Minuten Wartezeit ( der Hund darf vorher nicht sehen wo der Führer hingegangen ist, er wird von einem Helfer auf die Führerfährte angesetzt) überhaupt kein Problem. Einmal erkannt dass es sich um Herrchen“s Fährte handelt, gab es keine Ablenkung mehr, obwohl im wildreichen Revier für einen Jagdhund die Verlockungen sehr groß sind. Hier zeigt sich die rassetypische enge Bindung an seine Familie. Wem schlägt nicht das Herz höher wenn der Hund voller Inbrunst nach einem Sucht und auch findet . Interessant war der Gesichtausdruck meiner Shila welchen ich von meinem Versteck aus beobachten konnte. Ich kann ihn nur mit grimmiger Entschlossenheit beschreiben und wehe dem der sich Ihr in der Weg stellt.

Den anschließend gemeinsamen Freudentanz wünsche ich jedem Hundebesitzer von ganzem Herzen.

 

Vorstehen, Wild anzeigen:

Das klassische Vorstehen ist nicht so sehr veranlagt wie man es bei den eigentlichen Vorstehhunden sieht.

Bei meiner Hündin zeigt sich folgendes:

Ist eine Raubwildfährte noch frisch oder ein Fuchs gar in der Nähe so sträubt sich massiv das Nackenfell und sie wird am gesamten Körper steif ähnlich wie man es bei sich anbahnenden Hunderaufereien sehen kann und starrt fixierend in die entsprechende Richtung.

Bei frischen Schalenwildfährten oder gar bei Anblick zeigt sie hingegen alle Zeichen der bevorstehenden Hetzjagd wie leises Fiepen, hin und her bewegen, leichtes hochspringen, jedoch kein Nackenhaar sträuben oder sonstige Aggressivität.( Hier zeigt sich dann auch ob der Hund wirklich verlässlich gehorcht, vor allem ohne Leine. Hetzen, egal ob Wild, Jogger oder sonstiges ist absolut tabu.)

Bei Vögeln oder anderem Kleinwild zeigt sie häufig, jedoch nicht immer das klassische Vorstehen mit angehobener Pfote. Dies alles bietet bei entsprechender Förderung enorme Potentiale für die moderne Jagdausübung.

 

Wasserarbeit:

Wasser scheint das Element für den Irish überhaupt zu sein. Keine Böschung ist zu hoch, kein Wasser zu tief als dass nicht mit Volldampf voraus hineinrast und apportiert wird. Zu Beginn mit Stöcken , dann mit Gummiente usw. Hier zeigt sich, dass das Temperament manchmal vor lauter Trieb mit ihr durchgeht und sie behutsam wieder etwas „ abgekühlt „ werden muss.

Manchmal kommt der Trieb so stark dass ich die Übung abbrechen muss, da kein kontrolliertes Arbeiten mehr möglich ist sondern nur noch Verselbständigung der Hündin, was tunlichst zu vermeiden ist. Aber von der Passion dieser Rasse zur Wasserarbeit bin ich jedes Mal aufs neue begeistert.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Schussfestigkeit geprüft. Der Hund geht am Wasser in „sitzt“ und es wird ein Apportiergegenstand ins Wasser geworfen . Der Hund apportiert auf Befehl und darf sich an den abgegebenen Schrotschüssen nicht erschrecken, oder das Apportieren abbrechen. Hier zeigt sich die Charakter und Willensstärke dieser Rasse. Bei richtiger Ausbildung kann nichts ,aber auch gar nichts den Irish von dem Wasserapportieren abhalten. Meine Hündin ist so fixiert auf die Gummiente dass sie beim Schuss nicht mal mit den Ohren zuckt geschweige den Angst zeigt. ( Ich glaube dieses Gen fehlt dem Irish sowieso) Man darf nur nicht vergessen dass der Hund unter allen Umständen den Gegenstand sofort auf Befehl auszugeben hat, sonst gibt es allzu schnell einen ernsthaften Aufstand in der Hierarchie.

 

Stöberarbeit:

Nach Rücksprache mit anderen jagdlichen Iris-Führern und meinen eigenen Beobachtungen ist der Irish für das selbstständige Stöbern und Stellen des Wildes prädestiniert, insbesondere bei der Schwarzwild-Drückjagd. Er hat das Temperament eine Rotte gezielt zu sprengen und ist jedoch intelligent genug, sich nicht vor lauter Eifer in Gefahr zu bringen. Am erlegten Stück zeigt er manchmal seine Herrchenliebe etwas zu überschwänglich. Wie mir ein Förster berichtete stellte sich sein Irish ganz einfach auf die erlegte Sau und blieb dort so lange bis sein Herrchen kam und Ihn lobte wie toll er es mal wieder gemacht hat. Seltsamerweise traute sich niemand anderes an das Wild heran. Komisch, wo der Irish doch so lieb schauen kann.

Aus meiner Sicht sollte man jedoch die Stöberarbeit nur dann gezielt fördern wenn man auch die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten hat. Wer max. 3-4 Drückjagden im Jahr besucht leistet sich und seinem Irish keinen Gefallen damit Triebe zu fördern welche der Hund nicht ausleben kann. Die Befriedigung aus der Stöberarbeit will das ganze Jahr über erlebt werden und führt zwangsläufig zu unerwünschten Hetzjagden nach allem Möglichen. Hier gilt es besonnen abzuwägen.

 

Bauarbeit:

Für die Bauarbeit ist der Irish zu hochläufig und daher nicht geeignet.

 

Raubwildschärfe:

Der Irish hat eine ausgeprägte Raubwildschärfe, welcher er bei entsprechender Förderung entschlossen nachgeht. Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen dass Raubwildschärfe überhaupt nichts mit aggressivem Verhalten zu tun hat ( Nachbars Katze etc.) Interessant ist folgendes zu beobachten. Um meine Hündin zu testen habe ich im Garten verschiedene Wilddecken und Balge ausgelegt ( Reh, Sau. Fuchs)

Zuvor hatte ich Ihr alles vor der Nase rumgewedelt um sie etwas in Fahrt zu bringen.

( etwas in Fahrt bedeutet beim Irish bekanntermaßen Windstärke 10 ) Es wurde alles in Sichtweite ausgelegt und die Hündin durfte aus dem „ Platz“ heraus beim Kommando “ Pack“s“ losstürmen. Jedes mal stürzte sie sich auf den Fuchsbalg und begann Ihn kräftig zu schütteln und nach Aufforderung zu apportieren. Auch an der Reizangel ist der Fuchsbalg der absolute Highlight. Der scharfe Raubwildduft ist einfach zu verlockend. Wobei die Reizangel nicht zu oft verwendet werden sollte. Das Temperament des Irish dreht hierbei oftmals einfach zu hoch. Die Befriedigung ist so stark , dass bei unsachgemäßer Übung unerwünschte Übersprungsreaktionen wie Katzenjagen o.ä gefördert werden.

 

Jagdliche Spiele:

Natürlich werden die meisten Irish nicht jagdlich geführt. Dies ist in Ordnung und es wird auch in Zukunft sicherlich so bleiben. Mein Anliegen ist es die jagdlichen Fähigkeiten dieser Rasse zu zeigen und damit mit den daraus resultierenden Bedürfnissen verantwortungsbewusst umgehen zu können.

Die meisten im Alltag nervigen Triebhaftigkeiten lassen sich durch entsprechende Ersatzspiele mit gleichzeitiger Tabuisierung des unerwünschten Verhaltens gut kanalisieren. Der Trieb jedoch bleibt . Ein Jagdhund will jagen. . Ich möchte alle Irish Besitzer auffordern Ihrem Hund zuliebe jagdliche Spiele beim Training einzubauen. Besonders Spaß macht die Futtersuche, Reizangel, Fährtensuche, Apportieren, mit dem Herrchen Erdlöcher inspizieren und natürlich Wasserarbeit jeglicher Art. Des weiteren kann man ihn den Schlüsselbund suchen lassen (kann durchaus mal nützlich sein), Plastiktüten in Büsche stecken, so das er sich ins Gebüsch wühlen und die Tüte herausreißen kann. Natürlich mit Schütteln und ab und zu auch mal anschließendem Zerrupfen derselbigen. Mit ein bisschen Phantasie und Geduld lassen sich duzende jagdliche Spiele kreieren. Besonders Spaß macht auch das Fährten nach Familienmitglieder. Sie nehmen einen getragenen Gegenstand der Person und ziehen diesen mehrere 100 Meter mit 2 –3 Hacken über den Boden( z.B altes T-shirt). Am Ende der Fährte liegt ein feines Lerckerli. Die Suche sollte an der langen Leine zusammen mit dem Führer durchgeführt werden. Die Verknüpfung spezieller Menschengeruch + Leckerli trägt ungemein zur Bindung bei.

Werden Sie Kreativ. Sie werden völlig neue Seiten Ihres Hundes kennen lernen und Ihr Hund dankt es Ihnen mit Ausgeglichen- und Zufriedenheit.

 

Ausblick:

Für mich könnte der Irish der Jagdhund der Zukunft werden. Er hat alle grundlegenden Veranlagungen in ausgeglichener Weise verinnerlicht. Die harmonische Kombination von jagdlicher Triebhaftigkeit und gleichzeitiger Menschenliebe lässt ihn zum idealen Jagd- und Familienhund werden. Oben aufgeführtes beschreibt jedoch lediglich das vorhandene Potenzial welches es durch Zucht und Ausbildung gezielt zu fördern gilt. Es wäre sehr zu wünschen dass der Irish seinem naturell entsprechend vermehrt zur Jagd geführt wird, oder sogar auf jagdliche Veranlagung gezielt gezüchtet wird. Bei anderen Rassen gibt es schon lange Leistungs- und Ausstellungszuchtlinien. Hierbei kämen seine Sinne zur vollen Entfaltung. Leistung und Schönheit wiedersprechen sich in keinster Weise.

Wie auch immer, eines ist sicher. Im Irish findet jeder das was er sucht.

 

Für Gedanken- oder Beobachtungsaustausch, Kritik oder Anregungen stehe ich jederzeit schriftlich oder telefonisch zur Verfügung.

Wolfgang Schäberle

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