Vegetarische Ernährung des Hundes

 

In meiner Eigenschaft als Züchter bin ich mit der Fragestellung nach der Eignung vegetarischer Ernährung für Hunde konfrontiert worden und habe mich in den vergangenen Monaten ausführlich bei den verschiedensten Stellen darüber informiert.

Um aussagekräftige Informationen zu erhalten, habe ich verschiedene Wege der Informationsbeschaffung gewählt. An die Quellen habe ich den Anspruch der Unabhängigkeit und Sachkompetenz gestellt.

Das bedeutet, dass ich Futtermittelhersteller, gleich welcher Art als „nicht Neutral“ eingestuft habe, genauso wie ich -möglicherweise vorrangig emotional orientierte - Äußerungen von befragten Hundezüchtern und -haltern zwar gerne erbeten und auch dankbar zur Kenntnis genommen habe, diese aber in meinem Ergebnisüberblick dennoch unberücksichtigt bleiben.

Ich lege Wert darauf, hier lediglich eine Zusammenfassung der tatsächlich von unabhängigen Fachleuten auf dem Gebiet der Hundeernährung gemachten Aussagen wiederzugeben.

Um in die Materie einzudringen, habe ich alle tierärztlichen Hochschulen Deutschlands und Österreichs, den Tierschutzverein, den Züchterbund und verschiedene Tierärzte zu der Thematik befragt. Erfreulicherweise habe ich von Allen !!! bemühten Fachleuten Antworten erhalten.

Die Quintessenz dieser Befragung möchte ich gerne mitteilen, da ich denke, dass die Thematik in der heutigen Zeit besondere Aufmerksamkeit verdient. Ich bin gerne bereit, auf Anfrage einzelne Aussagen weiterzugeben, dies hier im Forum zu tun würde den „Leserahmen“ eindeutig sprengen. Auch will ich gerne deutlich bekennen, dass ich mit dem Vorurteil „ das geht doch nicht!!“ an die Sache herangegangen bin und ich die Ergebnisse nicht unbedingt so erwartet hätte, wie sie sich nun darstellen, aber das ist nun mal die Eigenart der Wissenschaft und wenn man sich ihrer Aussagekraft verpflichtet fühlt, was ich tue, muss man eben auch bereit sein dazuzulernen. Hier also die Ergebnisse meiner Recherchen:

Vegetarische/vegane Ernährung für Hunde wird von einer sehr deutlichen Mehrzahl der Experten als eindeutig NICHT artgerecht beurteilt. Unter bestimmten, klar definierten Voraussetzungen ist eine derartige Ernährungspraxis möglich und zwar: man muss sich von einer tiermedizinischen Hochschule (z.B. Uni München) gegen eine Schutzgebühr von ca. 25 EURO eine genaue Rationenanalyse für den individuellen Hund je nach Lebensalter erstellen lassen. Der Laie ist damit schlicht überfordert. Man muss die Rationen sehr aufwendig im Einzelnen zusammenstellen und genaueste (!) Kenntnis von den Inhalts/Nährstoffen der verschiedenen Nahrungsmittel haben, bzw. sich aneignen (Empfehlung: Meyer/Zentek: „Ernährung des Hundes“). Man muss die Ausgewogenheit der Ernährung durch monatliche Blutuntersuchungen des Hundes sicherstellen, und zwar ein Hundeleben lang. Unter Anderem muss dabei der sich verändernde Nährstoffbedarf des wachsenden, adulten und alternden Hundes jeweils berücksichtigt werden, um Mangelerscheinungen insbesondere im Bereich des cardio-pulmonaren und cardio-vaskulären Systems (Herz-Kreislaufsystem) und des Skelettsystems (Gelenkknorpel u.Ä.) vorzubeugen. Dies bedeutet einen finanziellen Mehraufwand von ca. 325 Euro pro Jahr gegenüber der ausgewogenen Ernährung mit einem Alleinfutter.

Es gibt zur Zeit KEINE Ergebnisse unabhängiger wissenschaftlicher Untersuchungen bezüglich der gesamten Ernährungskonzeption. Es gibt zur Zeit keine vegetarischen Alleinfuttermittel auf dem deutschen Markt, deren Ausgewogenheit und Wirksamkeit (d.h. als Alleinfuttermittel vom Gesetzgeber anerkannt und durch die amtlichen Prüfverfahren bescheinigt) durch unabhängige Evaluationsverfahren belegt ist. Viele vegetarische oder vegane Fertigfutter sind – ganz im Gegenteil – als lediglich „den überwiegenden Teil der Nährstoffversorgung mit Protein, usw.… abdeckend“ deklariert. Hierzu ist anzumerken, dass in Deutschland eine Mindestdeklarationspflicht für Hundefutter gilt, die lediglich die Nennung von: Rohprotein, Rohfaser, Rohasche und Rohfett in % erfordert. DER REST IST FREIWILLIG !!! und wird im Fachjargon als „offene Deklaration“ oder auch „offene Analyse“ bezeichnet. Viele Experten leiten daraus die These ab, dass je weniger Einzelangaben ein Hundefutterhersteller macht, man annehmen kann, dass das Futter nicht dem aktuellen Standard entspricht.

(Hier möchte ich etwas Persönliches sagen: Hierbei muss – will man objektiv bleiben - angemerkt werden, dass zwischen dem Standard des Gesetzgebers und dem des „verantwortungsvoll füttern möchtenden“ Hundehalters offensichtlich die eine oder andere Lücke klafft. LEIDER !!!!!!!! stehen heute hinter vielen Gruppierungen, die auf ökologisch einwandfreie Produkte und deren Produktion Wert legen, Sekten, die auf diese Art und Weise Zugang zu „naiven“ Zielgruppen finden. Die ethologischen Gesichtspunkte und Einstellungen vieler Tierhalter werden an dieser Stelle missbraucht. Hilfreich ist es oft, die Linklisten verschiedener websites mal bis zum Ende durchzuhangeln und dann mal sehen, wo man landet und was dahinter steht. (Wenn ich in den nächsten Monaten ermordet aufgefunden werde…. waren es bestimmt meine Irish…) Hi, Hi ( Das Persönliche ist jetzt erstmal zu Ende! ))

Es gibt - so genannte - evaluierte Prüfverfahren verschiedener Futterhersteller, bei denen man als kritischer Betrachter ruhig mal schauen sollte, wo man den eigenen Hund vielleicht zum „Versuchstier“ macht und wo nicht. Vegane Ernährung von Welpen ist abzulehnen! Sie kann zur Unterentwicklung der Welpen führen. Ein Hund ist durchaus bis zum Alter von 6-9 Monaten als Welpe zu bezeichnen. Gesundheitliche Risiken bei vegetarischer Kost liegen auch in der höheren Alkalität des Harns (Risiko von Steinbildungen) und einem möglichen Mangel an L-Carnithin und Taurin begründet. Für wachsende Hunde sind neben Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen auch bei essentiellen Aminosäuren (Lysin, Arginin, Methionin u.a.) Defizite bei rein vegetarischer Ernährung zu befürchten. Besonders ist dabei auf die Knochenentwicklung hinzuweisen, für die ein tiergerechtes Calcium-Phosphor-Verhältnis von etwa 1,5:1 essentiell ist. Kalium und Magnesium sorgen für das reibungslose Funktionieren von Nerven und Muskeln, Eisen wird u.a. für die Blutbildung benötigt.

Jede Futtermittelfirma sollte bereit sein, auf Anfrage eine genaue Bilanz der Inhaltsstoffe des von ihnen hergestellten Futters zu übermitteln. Von einem vegetarischen Futterhersteller habe ich eine derartige Bilanz nicht bekommen. Schlussfolgerungen für mich: Ich bin auch nach dieser umfassenden Informationsbeschaffung weiterhin der Ansicht, dass der Hund als Carnivore Fleisch zu fressen bekommen sollte und zwar mit einem Gesamtanteil am Futter von ca.40 Prozent. Für mich wird weiterhin das Buch „Ernährung des Hundes“ von Meyer/Zentek Grundlage meiner Fütterungspraxis sein.

Mit vegetarischer Ernährung kann man vielleicht im Normalfall Glück haben, aber nach Aussage von Tierärzten kann z.B. ein Notfall mit Blutverlust (Unfall, Operation o.ä.) zur Katastrophe führen (Zitat: „ … der Hund geht dann kaputt!“). Dieses Risiko würde ich niemals eingehen.

Wer aus ethischen und moralischen Gründen kein Fleisch verfüttern möchte, dass von armen Kreaturen aus Massentierhaltungsbetrieben gewonnen wird hat heute zahlreiche Alternativen: Viele Bio-Bauern verkaufen eigene Produkte in Hofläden oder nennen auf Anfrage Schlachtbetriebe in denen nur Tiere aus der Region, die unter einwandfreien Bedingungen aufgewachsen sind, geschlachtet werden. Man muss eben mal ein bisschen suchen oder herumfahren oder telefonieren, aber das sollte der eigene Hund einem wert sein.

Es gibt auch die Möglichkeit, Wild zu füttern, das ja bis zu seinem Ableben ein artgerechtes Leben in Freiheit geführt hat. Um sich darüber zu informieren, könnte man sich an den örtlichen Jäger oder Jagdverband wenden. Es gibt auch Futtermittelhersteller, die alle Zutaten zu ihren Futtern aus ökologischem Anbau gewinnen. Meinen Informationen zufolge ist die Firma Solid Gold eine solche Firma.

Eine gute Informationsübersicht findet man auf der homepage "http://www.hund-und-futter.de" von einem Anbieter, der KEIN Futterverkäufer ist, sondern sich lediglich interessehalber mit der Thematik befasst hat. Es gibt keine wirklich schlüssigen Argumente FÜR eine vegetarische Ernährung bei Hunden.

Ich denke, wer die natürlichen Gegebenheiten der Spezies Hund nicht akzeptieren kann oder möchte – aus welchem Grund auch immer – sollte darauf verzichten, sich ein Tier anzuschaffen, das nun einmal den Anspruch auf Fleisch hat und sich vielleicht lieber ein Kaninchen anschaffen. Kein Mensch käme auf die Idee ein Kaninchen mit Steaks zu füttern, nur weil er selbst gerne welche isst. Warum also bei anderen Tieren vergleichbar verfahren ? Ich akzeptiere gern jedes Menschen Einstellung zu seinem eigenen Leben, aber wenn Wesen, die von uns abhängig sind, vermenschlicht werden und unsere Moralvorstellungen mit der Inkaufnahme gesundheitlicher Risiken auf sie übertragen werden, habe ich dafür kein Verständnis nach all dem, was ich jetzt über das Thema Futter weiß.

Die BSE-Krise ist ja erst durch die WIDERNATÜRLICHE Verfütterung von Fleischmehl an Kühe hervorgerufen worden. Dort war die Empörung groß und auch zu Recht, wie ich meine. Die Konsequenz daraus ist, dass man bereit sein muss sein jeweiliges Tier artgerecht zu ernähren.

Ich wünsche allen Hunden und Haltern ein langes, gesundes Hundeleben mit wirklich allem, was unsere so sehr geliebten Vierbeiner brauchen. Vor allem unsere Zuwendung, Aufmerksamkeit und Verständnis und vor allem VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN.

Anke Mieth

 

Quellen

Dr. Wolfgang Becher (Züchterbund)

M. Schnellert (Universität Leipzig)

Prof. Dr. M. Bülte (Universität Gießen)

Kathrin Reebs (Hundefutter-Welt.de)

Prof. Dr. M Wanner (Universität Zürich)

Prof. E. Kienzle (Universität München)

Prof. J. Zentek (Universität Wien)

Prof. K. Männer (Universität Zürich)

Märke, Steffi (Deutscher Tierschutzbund)

Prof. J. Pallauf (Universität Gießen)

www.hund-und-futter.de

www.fressi-fressi.de

ein Freund, der aus einer Sekte ("Universelles Leben") ausgeschieden ist, ohne Namensnennung

diverse Tierärzte aus meinem Umfeld

diverse Bücher:

"Ernährung des Hundes" von Meyer/Zentek

"Hunde richtig füttern" von Meyer/Zentek

"Das koche ich meinem Hund" von Gaby Haag

"Die schnelle feine Hundeküche" von Cramm/Bauersfeld

"Das schmeckt ihrem Hund" von Bangert/Endmann

"Was mein Hund nicht fressen darf" von Rand-Widmann

"E-Nummern" von Prof. Dr. I.Elmadfa, Prof. Dr. E. Muskat, Dipl. oec. troph. D. Fritzsche

"Mineralstoffe und Vitaminpräparate" von E. A. Meyer

"Naturnahe Ernährung für Hunde" von B. Frost